Benefiz-Classico: Eintracht und LSK spielen Mittwoch für die Ukraine

Publikumsmagnet: Rund 2000 Zuschauer sahen im Jahr 2004 auf der Hasenburg eine dramatische Pokal-Partie. Der LSK unterlag der Eintracht 9:10 nach Elfmeterschießen. Links die LSK-Spieler Sachs und Birkner, rechts die Einträchtler Kolle und Klepatz, die vom LSK gekommen waren. Mittwoch gibt es eine Neuauflage des Derbys – wieder auf der Hasenburg.
Foto: Michael Behns

Es ist der Classico: Eintracht und LSK, die großen Traditionsvereine des Lüneburger Fußballs, treffen sich am kommenden Mittwoch um 19 Uhr auf der Hasenburg zum Freundschaftsspiel. Gemeinsam wollen sie ein Zeichen gegen Putins Angriffskrieg setzen.

Der Eintritt beim Benefizspiel kostet 5 Euro. Der gesamte Erlös der Partie geht an die Lüneburger Stiftung Hof Schlüter, die seit Jahrzehnten soziale Projekte in der Ukraine unterstützt und auch jetzt unter schwierigsten Bedingungen Lastwagen mit Hilfsgütern in das Kriegsgebiet schickt. Großartig, dass LSK und Eintracht trotz uralter Rivalität in dieser schlimmen Zeit zusammenfinden und gemeinsam helfen.

Beim Spiel gilt die 3G-Regel. Das heißt: Vollständig Geimpfte und Genesene kommen sowieso rein, aber auch Ungeimpfte, wenn sie einen negativen Corona-Test vorweisen, der nicht älter als 24 Stunden ist.

1978: Beim letzten Punktspiel-Derby war Zobel dabei

Gastgeber Eintracht spielt heute in der Bezirksliga und der LSK drei Klassen höher in der Regionalliga. Doch das war nicht immer so. Die Eintracht hat eine große Vergangenheit, war einst auf Augenhöhe mit dem Ortsrivalen. Blicken wir zurück auf einige Duelle der Vergangenheit.


Das letzte Punktspiel zwischen LSK und Eintracht fand im Februar 1978 in der Verbandsliga statt – vor 44 Jahren also. Auf Schnee endete es vor 1100 Zuschauern in Wilschenbruch 1:1.

Dribbelkönig Detlef Olaidotter, später Bundesliga-Profi, hatte den LSK mit 1:0 in Führung gebracht. Doch Eintracht-Mittelfeld-Lunge Dieter Krause schoss das 1:1. Mit Bruder Helmut Krause, dem legendären Torwart, wechselte er später zum LSK. Im Mittelfeld der Wilschenbrucher spielte damals übrigens Rainer Zobel, jetzt Teamchef des LSK.

Ein Blick zurück auf klingende Namen des Lüneburger Fußballs. Das waren die Aufstellungen beim Derby 1978:

LSK: Scheller – Jaschik – Gurski, Warsitzka, Kosak – Zobel, Urban, Kirk – Olaidotter, Ulbrich, Körtge. Trainer: Rieckmann

Eintracht: H. Krause – Pape – Schlüter, Soltau, D. Ebel – R. Ebel, Eichhoff,
D. Krause – Jurischka, Langer, Ehrenberg (81. Vogt). Trainer: Pape

Ex-Wilschenbrucher Dirk Reimann warf den LSK 1990 mit zwei Toren aus dem Pokal.
Foto: Jürgen Poersch

1990: Ausgerechnet Reimann schoss den LSK ab

Zweimal trafen Eintracht und LSK im Pokal aufeinander. Im August 1990 siegten die Blau-Weißen 2:1 auf der Hasenburg. Zwar hatte Thomas Lohmann den LSK 1:0 in Führung geschossen. Doch ausgerechnet der Ex-LSKer Dirk Reimann ballerte die Eintracht noch vor der Pause mit zwei Toren zum Sieg.

Das waren die Aufstellungen beim Derby 1990:

Eintracht: Sander – Wittkopp – Knacke, Ahrens – M. Warneke, Reimann (46. Ruthemann), Winkelmann, Feye, Gladziejewski (69. Lüth), Abels – O. Warneke. Trainer: Jaschik

LSK: S. Kathmann – Kern – Ebrecht, Ulinski – Torp, Mackensen, Maiwald, Kämmer (82. H. Sieben), M. Rose – Lohmann (86. Laczka), Wagner. Trainer: Spincke

2004: Das Zoff-Derby auf der Hasenburg


Unvergessen bleibt das Pokalderby im Juli 2004. Es war voller Brisanz, weil LSK-A-Jugendtrainer Jens Lorbach kurz zuvor im Zoff mit vielen Talenten zum damaligen Bezirksligisten Eintracht gewechselt war. In einem hochemotionalen Spiel vor rund 2000 Zuschauern siegte die junge Eintracht 10:9 nach Elfmeterschießen. Das Spiel war symptomatisch für die folgende Saison: Eintracht stieg in die Landesliga auf, der LSK kämpfte in der Niedersachsenliga gegen den Abstieg.

Pokalfight 2004: Tillack (l.) und Höhne vom LSK im Luftkampf mit dem Einträchtler Götzky. Rechts Eintracht-Torwart Kabakci, der das Spiel damals mit einem verwandelten Elfer entschied.
Foto: Michael Behns

Das waren die Aufstellungen beim Derby 2004:

Eintracht: Kabakci – Thum, Syrowatka (90. Kirchner), Knacke, Geffert (53. Grabowski) – Götzky, Behrens, Wehler, Geidies (65. Krasna) – Kolle, Klepatz. Trainer: Lorbach

LSK: Holtz – Birkner (87. Ziemer) – Sachs, Posnanski – Harms (46. Tillack), Schmidt (46. Höhne), Hiob, Stenzel, Schellin – Portakal, Abshagen. Trainer: Seeliger, heute Coach des Regionalligisten Weiche Flensburg

In den folgenden Jahren trafen beide Klubs gelegentlich in der Sommerpause beim AOK-Pokal oder dem Nachfolger LZ-Cup aufeinander. Sonst gab es nur wenige Berührungspunkte.

Es tauchten zwar immer mal wieder Gerüchte um eine Fusion der Traditionsvereine auf, doch dabei blieb es auch. Die großen alten Fußballvereine dieser Stadt fanden nicht zueinander. Schade, wie nicht wenige finden.

Trotz Abstiegsstress gemeinsam gegen Krieg

Nach diesem Ausflug in die Vergangenheit zurück in die Gegenwart. Der LSK hat gestern 2:0 gegen den Heider SV gewonnen und drei wichtige Punkte für den Klassenerhalt eingefahren. Die Eintracht hat am Wochenende 0:3 gegen den MTV Römstedt verloren und steht in der Bezirksliga-Abstiegsrunde, die am 20. März beginnt.

Schön, dass beide Vereine trotz Abstiegsstress gemeinsam für die Opfer des grausamen Krieges in der Ukraine spielen. Endlich wieder ein Ortsderby! Wie kam es zu der Idee? „Eintracht hat bei uns angefragt, und unsere Mannschaft war sofort dafür“, berichtet LSK-Teammanager Thorsten Jaskolla.

Schiri-Gespann verzichtet auf Geld

Auch Schiedsrichter hat Eintrachts engagierter Schiri-Obmann Oliver Vogt schnell gefunden: Jan-Erik Ramm wird die Partie leiten, an der Linie stehen Hanna Hofmann und Kilian Sieper. Super: Die drei Eintracht-Referees verzichten für den guten Zweck auf ihre Gage. Vogt sagt: „Natürlich haben Schiedsrichter auch bei diesem Spiel freien Eintritt, aber ich würde mich schon freuen, wenn sie unsere Aktion unterstützen und freiwillig Eintritt zahlen.“

Vogt bangt um Freund Anton in Kiew

Oliver Vogt ist auch persönlich vom Krieg in der Ukraine betroffen. Sein Schiedsrichter-Freund Anton Borsuk lebt mit Familie in Kiew: „Wir kennen uns seit vielen Jahren, ich habe ihn schon mehrere Male in Kiew besucht“, erzählt Vogt.

Jetzt erreichte ihn ein Hilferuf: „Anton hat mir Bilder geschickt, wie er mit seiner schwangeren Frau und dem anderthalbjährigen Kind im Keller sitzt und ums Überleben bangt.“ Vogt hat ihn aus der Ferne unterstützt, damit Borsuk sich ein Auto besorgen und aus dem Bomben-Inferno entfliehen kann.

„Anton hat mir noch gemailt, dass sie auf dem Weg zur polnischen Grenze sind, danach habe ich nichts mehr von ihm gehört. Er ist Mitte 30, ich weiß gar nicht, ob er über die Grenze darf“, bangt Vogt.

Sollte der Familie die Flucht gelingen, dann hat der Einträchtler für eine erste Unterkunft bei einem Schiri-Freund in Berlin gesorgt. „Ich hoffe, sie schaffen es bis Berlin. Danach wollen sie weiter ans andere Ende der Welt, soweit wie möglich weg von Russland – für immer.“

So rückt Putins Krieg immer näher. Stark, dass Eintracht und LSK ein entschiedenes Zeichen gegen den Wahnsinn setzen. Diese Aktion hat die Unterstützung von vielen Fußballfreunden verdient. Auf geht’s zum Classico in die Hasenburg!