21.05.1969: SVE – Hamburger SV

SV Eintracht Lüneburg – Hamburger SV 0:8 (0:5)

So., 21. Mai 1969, Lüneburg, Eintracht-Stadion Hasenburg, Zuschauer: 4.352
SVE: Leppich — Maszut, Micknewitz (ab 46. Fenner) — Twesten (ab 46. Freith), Frahm, Benning — Müller, Bockemöhl, Köcher, Schmitz (Weikert), Michels.
HSV: Özcan — Sandmann, Kurbjuhn, Horst, Hans Schulz — Scholl, Hellfritz — Dringelstein, Uwe Seeler, Hönig, Gerd Dörfel (ab 46. Pötschke).
Schiedsrichter: Reese (Uelzen) / N. N. – N. N.
Tore: 0:1 (5.) Dringelstein, 0:2 (8.) Dringelstein, 0:3 (9.) Scholl, 0:4 (25.) Uwe Seeler, 0:5 (37.) Kurbjuhn, 0:6 (60.) Hönig, 0:7 (77.) Hans Schulz, 0:8 (88.) Hans Schulz.

Lüneburger Landeszeitung v. 22.05.1969:

„Uns Uwe“ war der Größte

Hamburger SV erteilte der Eintracht eine Lehre: 8:0

Von WOLFGANG BIEREICHEL
Das war der HSV, wie ihn Lüneburgs Fußball-Fans sehen wollten: spritzig, elegant und schußfreudig. 90 Minuten lang erteilte der Goliath aus der Hansestadt dem kleinen David aus Lüneburg eine Lektion und erzielte ganz nebenbei acht Tore. Acht Tore, eines schöner als das andere. Die Eintracht-Spieler wehrten sich verzweifelt gegen die Großen – mit Erfolg: Man verlor wenigstens nicht zweistellig, wie viele Schwarzmaler prophezeit hatten.
Schon eine Stunde vor Spielbeginn begann es sich auf dem neuen Eintracht-Sportplatz zu regen: Die ersten Pkw-Fahrer rollten an. Sie wollten sich eine günstige Ausgangsposition für die Abfahrt verschaffen. Zum Anpfiff waren sie dann alle da und Lüneburgs Polizei hatte alle Hände voll zu tun, damit die 4352 Zuschauer, die sich dieses „Spiel des Jahres“ nicht entgehen lassen wollten, kein Verkehrschaos heraufbeschworen.
Und dann ging es los. Bürgermeister Horst Nickel brachte den Ball ins Rollen. Und schon brannte es vor Eintrachts Gehäuse lichterloh. Honig hatte sich das Leder geschnappt und steuerte auf das von Leppich gehütete Eintracht-Tor zu. Er kam aber nicht weit. Maszutt stoppte den Hamburger Torjäger und leitete die Gegenoffensive ein.
Von diesem Augenblick an war Trainer Knöpfle „aus dem Häuschen“. Von diesem Augenblick an kritisierte er seine Schützlinge, warf ihnen diese und jene „Schmeichelei“ an den Kopf oder beließ es beim Kopfschütteln. „Nun mach‘ schon Charly (Dörfel), steh doch nich‘ so herum Bubi (Honig) . . . na ähndlich Ratte! (Sandmann), Knöpfles Mund stand nicht mehr still.“
Daß es beim HSV in den ersten Minuten nicht so klappen wollte, lag kurzum am Ball. Meinte Bürgermeister Horst Nickel verschmitzt: „Den haben die Eintrachtler gar nicht aufgepumpt. Der ist so leicht wie ein Luftballon!“
Das aber hatte Schiedsrichter Reese aus Uelzen bald spitzgekriegt. Als nämlich Hellfritz einen Eckball treten wollte, lief er zuerst zum Unparteiischen und beschwerte sich ob des zu „windigen Eies“. Eine Verzögerung trat allerdings nicht ein, denn ein Eintracht-Fan hatte offenbar davon gewußt und schon eine Luftpumpe parat gehalten.
Und dann ging es Schlag auf Schlag. Dreimal hintereinander knallte es in Leppichs Kasten. In der 7. 8. und 9 Minute schlugen drei Granaten der Marke Dringelstein (2) und Scholl ein. „Jetzt geht’s los“, meinte ein Dreikäsehoch und schlug seinen Kragen hoch, denn im Stadion war es merklich kühler geworden.
Aber der HSV ließ es zunächst bei diesen drei Treffern bewenden.

Die Eintracht-Spieler aber kämpften unverdrossen weiter. Diese drei Tore konnten ihnen nichts anhaben. Dafür aber vermochten sie die Nervosität bis zum Schlußpfiff nicht abzulegen. Schimpfte Trainer Mnich: „Wenn die bloß nicht so unbeweglich sein würden. Wie soll das bloß im nächsten Punktspiel werden?!“
Petrus war dagegen guter Laune. Die Sonne schien, nur ein kühler Windzug strich durch das mit 4352 Zuschauern recht akzeptabel gefüllte Stadion. Als der HSV aber später auf 6:0 und 7:0 erhöhte, wandte er sich ab und dicke graue Wolken zogen auf.
Das aber störte die Akteure auf dem grünen Rasen wenig. Sie alle jagten dem weißen Leder nach. Vor allem die Bundesligisten aus Hamburg, die immer schneller am Leder waren als ihre Lüneburger Gastgeber, denen offenbar noch die Arbeit am Jugendheim in den Gliedern steckte. Besonders Charly Dörfel imponierte durch seine Schnelligkeit. Wie ein Wiesel stürmte er auf Linksaußen davon, ließ seinen Bewacher Maszutt stehen und flankte dann auf seine unnachahmliche Art in den Strafraum, wo Uwe und Co. schon auf der Lauer standen. Staunte da Horst Nickel: „Mensch, wie der Charly rangeht.. * das ist ja unwahrscheinlich!“
Charlys Flanke, war es dann auch, die „Uns Uwe“ ohne zu zögern unhaltbar mit dem Kopf ins Netz torpedierte. Obwohl dieses Tor Uwes das einzige bleiben sollte, hatte der Liebling seine Anhänger nicht enttäuscht. Immer wieder begeisterte er durch Sondereinlagen, packte seine Trickkiste aus und legte mehrmals Beweise seines Könnens ab. Ansonsten aber hielt sich der Hamburger Mittelstürmer zurück, denn am Sonnabend geht es in Berlin gegen die Hertha.
Nach dem Wechsel kam der kleine Pötzschke für Charly ins Spiel. Dörfel hatte sich in einem Zweikampf eine alte Verletzung zugezogen und wird vielleicht auch in Berlin nicht dabeisein. Trainer Knöpfle winkte allerdings ab: „Der kommt wieder auf die Beine!“
In dieser zweiten Spielhälfte hatten sich Bockemöhl, Frahm und Co. auf ihren Gegner etwas eingestellt, zeigten aber nach wie vor sehr viel Respekt. Trotzdem muß man der Eintracht bescheinigen, daß sie sich gegen diesen HSV prächtig aus der Affäre gezogen hat. Nur sollte sie nicht allzu lange den Ball halten, sondern schneller und direkter spielen. „Nur so ist die Deckung eines Gegners aufzureißen“ bestätigte ‚Schorsch‘ Knöpfle. „Sie sollte aus diesem Spiel gelernt haben, wie man es macht.“
Eintracht Lüneburg: Leppich — Maszut, Micknewitz (ab 46. Fenner) — Twesten (ab 46. Freith), Frahm, Benning — Müller, Bockemöhl, Köcher, Schmitz (Weikert) Michels.
Hamburger SV: Özcan — Sandmann, Kurbjuhn, Horst, Hans Schulz — Scholl, Hellfritz — Dringelstein, Uwe Seeler, Hönig. Gerd Dörfel (ab 46. Pötschke).
Tore: 0:1 (5. Min.) Dringelstein; 0:2 (8.) Dringelstein; 0:3 (9.) Scholl; 0:4 (25.) Uwe Seeler; 0:5 (37.) Kurbjuhn; 0:6 (60.) Hönig; 0:7 (77.) Hans Schulz; 0:8 (88.) Hans Schulz.
Zuschauer: 4352
Schiedsrichter: Reese (Uelzen).

Hamburger Abendblatt v. 22.05.1969:

Lüneburger Landeszeitung v. 21.05.1969:

Vor dem Spiel gegen den Hamburger SV:

Eintracht fürchtet nur den Regen

Nach der Begegnung treffen sich beide Mannschaften im „Jägerhof“

Wenige Stunden vor dem herausragenden sportlichen Ereignis des Jahres in Lüneburg, dem Fußball-Freundschaftsspiel zwischen dem Hamburger SV und Eintracht Lüneburg auf dem Sportplatz Hasenburg, beschäftigt die Eintracht-Funktionäre nur noch ein Problem: Wie wird das Wetter? Selten zuvor hat man beim Bezirksliga-Spitzenreiter so häufig in den Himmel geblickt, wie in den letzten Tagen. Alle sprechen nur noch vom Wetter.
Aber Petrus wird den Lüneburgern keinen Strich durch die Rechnung machen. Das bestätigte gestern das Wetteramt in Hamburg, das nach Anfrage der LZ meldete: Tagsüber vereinzelt Regen, am Nachmittag nachlassende Schauertätigkeit. Am Abend, so wurde der LZ mitgeteilt, soll es nicht mehr regnen.
Falls diese Wetterprognosen zutreffen, werden heute abend um 18.15 Uhr 120 Zuschauer das Spiel sitzend miterleben können. Jugendleiter Ernst Suhm: Die Sitzplatzkarten können wir aber erst am Abend an den Kassen verkaufen.
Eintracht-Trainer Mnich wird gegen den Hamburger SV folgende Mannschaft aufbieten: Leppich — Micknewitz, Maszutt — Benning, Frahm, Twesten — Bockemöhl, Schmitz — Michels, Köcher, Müller.
In Reserve stehen: Freith, Weikert, Jankowiak und Kluth.
Die Eintracht absolvierte, vor dem „Spiel des Jahres“ allerdings kein Training mehr. Ernst Suhm: Die Spieler sind eifrig damit beschäftigt, den Bau unseres Jugendheimes voranzutreiben, denn am kommenden Samstag ist bereits Grundsteinlegung.
Nach der Begegnung auf der Hasenburg treffen sich die HSV- und Eintracht-Spieler zu einer kleinen Feier im Oedemer Jägerhof. Dort werden Uwe Seeler, Georg Knöpfle und Co. im Fernsehen auch miterleben wollen, wie die deutsche Nationalmannschaft die Zyprioten sturmreif schießt. -bie

Lüneburger Landeszeitung v. 20.05.1969:

Bürgermeister Nickel soll das „Spiel des Jahres“anstoßen

Hamburger SV morgen um 18.15 Uhr auf dem Sportplatz Hasenburg

„Morgen spielt dar HSV bei der Eintracht!“ In ganz Lüneburg und Umgebung hat es sich bereits herumgesprochen, daß die Hamburger bis auf Willi Schulz, der am gleichen Abend gegen Zypern dabei ist, in stärkster Besetzung auf dem neueingesäten Platz am Hasenburger Grund spielen wird. Dementsprechend ist auch der Karten-Vorverkauf für dieses „Sportereignis des Jahres“ angelaufen. Jeder möchte den Hamburger Sportverein sehen, denn wann kommt schon einmal ein Bundesligaverein nach Lüneburg?
Schon in Bremervörde war vor einer Woche die ganze Stadt auf den Beinen, um den Hamburger SV und natürlich Deutschlands Fußball-Idol Uwe Seeler aus nächster Entfernung zu bewundern. Das Spiel, das die Hamburger mit 6:2 gewannen, wurde für die Stadt an der Weser zu einem einmaligen Erlebnis.
Auch Eintrachts Vereinsführung hofft, allen Sportfans das gleiche bieten zu können. Der gesamte Vorstand war in der letzten Woche mit umfangreichen Vorbereitungen beschäftigt gewesen. Man hat sich sogar etwas einfallen lassen, um der Begegnung einen gewissen Reiz zu geben. „Verraten aber wird vorher nichts“, erklärte Eintrachts 2. Vorsitzender Walter Schömburg.
Im Mittelpunkt wird natürlich Uwe Seeler stehen, der Lüneburg von seinen Geschäftsreisen her ziemlich tut kennt. „Die Eintracht kenne ich allerdings nicht“, gestand der sympathische Hamburger. „Nur in der Zeitung habe ich von ihr gelesen.“
Wie HSV-Manager „Schorsch“ Knöpfle der LZ in einem Gespräch mitteilte, wird er mit seiner Mannschaft ungefähr eine Stunde vor Spielbeginn auf dem Sportplatz Hasenburg eintreffen. „Ich bringe 17 Spieler mit, die ich vielleicht auch alle einsetze.“
Für das Spiel gegen Eintracht wird Knöpfle zunächst folgende Elf auf den Rasen schicken: Özcan, Sandmann, Kurbjuhn, Hellfritz, Scholl, Hans Schulz, Pötzschke, Dringelstein, Uwe Seeler, Honig, Dörfel.
Den Anstoß dieses Spiels, das von Landesliga-Schiedsrichter Reese aus Uelzen geleitet wird, soll Lüneburgs Bürgermeister Horst Nickel ausführen. Walter Schömburg: „Herr Nickel hat an diesem Abend zwar einen Termin, aber trotzdem will er es sich nicht nehmen lassen, diese einmalige Begegnung mit einem kräftigen ,Kick‘ anzustoßen.“
Eintracht-Vorsitzender Walter Schömburg wies noch einmal darauf hin, daß alle Karten im Vorverkauf billiger als an den Kassen an der Hasenburg zu haben sind. Alle Vorverkaufsstellen seien an den Aushänge-Plakaten aufgeführt. „Den Kraftfahrern ist die Möglichkeit gegeben, auf dem Gelände der Fa. Garbers, den Anliegerstraßen sowie auf dem Neubaugelände „Hasenburger Ring“ zu parken.“ -bie-