12.08.1975: SVE – SV Werder Bremen

SV Eintracht Lüneburg – SV Werder Bremen 0:5 (0:2)

Mi., 12. August 1975, Lüneburg, Eintracht-Stadion Hasenburg, Zuschauer: 1.500
SVE: Ostermann, Müller, Hoffmann, Soltau, Schmidt, Dietrich (32. Schlawatzky, 60. Schlüter), Fehlhaber, Göhlke, Hoffmeister, Reinecke, Ehrenberg.
SVW: Burdenski (63. Voß), Rütten, Kamp, Höttges, Assauer, Röber (79. Sunday), Schlief (46. Müllner), Hiller (46. Bracht), Aslund, Roentved, Görts (24. Weiß).
Schiedsrichter: N. N. / N. N. – N. N.
Tore: 0:1 (6.) Röber, 0:2 (29.) Aslund, 0:3 (80.) Sunday, 0:4 (82.) Aslund, 0:5 (86.) Roentved

Lüneburger Landeszeitung v. 13.08.1975:

Ostermann verhinderte höhere Niederlage

Der Ersatztorwart der SV Eintracht, Ostermann, war gestern abend der überragende Spieler bei den Lüneburgern. Er verhinderte eine höhere Niederlage. Unser Bild zeigt
in der Mitte Schlief, links Schmidt. Foto: mac

5:0-Sieg des Bremer Bundesligisten
aber 1500 Zuschauer waren nicht zufrieden

Werder-Stürmer „versiebten“ Chancen pausenlos — Bis zur 80. Minute hielt die SV Eintracht ein 0:2

Solch gefährliche Szenen spielten sich oft vor dem Lüneburger Tor ab. Hier konnte Ostermann Röber jedoch nicht am Kopfstoß hindern.
Schmidt beobachtet gespannt die Situation. Foto: mac


dub L ü n e b u r g . Für viele der 1500 Lüneburger Zuschauer zählt Werder Bremen seit gestern abend wohl zu den Abstiegskandidaten der Fußball-Bundesliga: Zwar sprang im Gastspiel bei der SV Eintracht letzten Endes noch ein standesgemäßer 5:0-(2:0-) Sieg heraus, doch zu überzeugen vermochten die Bremer in dieser einseitigen Partie nur in den seltensten Fällen. Insbesondere der Angriff des Bundesligisten blieb einiges schuldig. Die Torausbeute aus den vielen hundertprozentigen Chancen konnte man schlichtweg als katastrophal bezeichnen. So hatte Trainer Burdenski nach Spielende auch keinen Grund zur Zufriedenheit: „Dieses Spiel hatte ich mir wirklich anders vorgestellt. Es war von uns eine schlechte Vorstellung.“
Der Bremer Bundesligist begann das Spiel mit seiner stärksten Aufstellung. Und schon in den Anfangsminuten deutete sich an, was den Gastgebern bevorstand. In der sechsten Minute mußte Ostermann das erstemal hinter sich greifen, als Röber nach einer Aslund-Ecke einköpfte. Danach eine Reihe weiterer guter Möglichkeiten, die aber von Kamp, dem besten Bremer, in der neunten und Roentved in der 14. Minute vergeben wurden. Erst in der 17. Minute die erste große Möglichkeit für die SV Eintracht durch eine gute Einzelleistung von Dietrich, dessen Schuß jedoch zu hoch angesetzt war. Konnte Ostermann in der 20. Minute noch einen knallharten Schuß von Aslund abwehren, so hatte er neun Minuten später das Nachsehen. Aus zwölf Metern schoß der Mittelstürmer aus Schweden, den Werder von Espaniol Barcelona „exportierte“, unhaltbar ein.
Damit war dann erst einmal Sendepause. Ostermann zeichnete sich erneut zweimal aus, als er vor Schlief und Höttges (38.) klärte. Wenig später verfehlte Schlief aus fünf Metern das Tor, ebenso Röber mit einem Volleyschuß. Nach der Pause versuchte Trainer Burdenski mit Müllner (für Schlief) und Bracht (für Hiller) mehr Ideen in das Mittelfeld zu bringen, denn das Angriffsspiel in den ersten 45 Minuten war zweifelsohne zu ideenlos vorgetragen. Doch das Bild änderte sich nicht.
Die SV Eintracht, die sich wie erwartet fast nur in der Verteidigung befand, kann mit ihrem Abschneiden zufrieden sein. Schließlich verteidigte sie den O:2-Rückstand von der 30. bis zur 80. Minute. Maßgeblichen Anteil daran hatte Ersatztorwart Ostermann, der gestern abend ein überragendes Spiel lieferte. Viele Chancen machte er zunichte, an den fünf Gegentoren war er machtlos. Allerdings zeigten die Hasenburger in der ersten Halbzeit zuviel Respekt vor den Bremern, von denen sie sich förmlich einschnüren ließen. Erst in der letzten halben Stunde wurden sie frecher und erspielten sich dadurch auch zwei gute Chancen.
Die Bremer berannten zwar weiter pausenlos das Lüneburger Tor, wo meist immer sieben Einträchtler verteidigten, aber die vielen Torchancen (im ganzen Spiel waren es ca. 30) wurden genauso schnell vergeben oder Ostermann hielt die vielen Schüsse, die die Bremer aus allen Positionen abfeuerten.
Ab der 60. Minute wurden die Lüneburger mutiger Über die Flügel, hier ist besonders Ehrenberg zu erwähnen, kamen sie einige Male gefährlich auf. So z. B. in der 65. Minute, als der Ex-Bienenbütteler Mittelstürmer Reinecke anspielte und dieser den inzwischen für Dieter Burdenski eingewechselten Voß zur Herausgabe seines ganzen Könnens zwang. Ansonsten gaben sich die Routiniers Höttges und Assauer in der Bremer Abwehr keine Blößen.
Vor dem Lüneburger Tor ging indessen das Vergeben der vielen großen Möglichkeiten munter weiter. Oftmals hatten die Bremer mit Schüssen, die das Gehäuse der Einträchtler knapp verfehlten, Pech, doch in einigen anderen Fällen war es wieder Unvermögen. So in der 76. Minute, als Bracht das leere Tor aus sechs Metern nicht traf. Auf den Zuschauerrängen hörte man dann nur ein Wort: „Absteiger!“
Für mehr Elan sorgte in der Schlußphase der Ghanese Ibrahim Sunday, der in der 80. Minute eingewechselt wurde und sich prompt mit einem Tor einführte. Nach Flanke von Kamp köpfte er den Ball ins Netz.

Zahlreiche Torchancen boten sich dem Dänen Roentved. Ihm gelang jedoch nur ein Tor. Foto: mac

Der Afrikaner, er ist der einzige in der Bundesliga, sorgte anschließend für frischen Wind auf dem linken Flügel und zog sich dadurch die Gunst des Publikums zu. Von diesem Spieler hätte man gerne mehr gesehen. Aslund stellte in der 82. Minute mit einem 12-m-Schuß das 4:0 her. Drei Minuten später bot sich den Einträchtlern eine gute Chance, doch der Kopfball von Reinecke wurde von Voß erneut gut gehalten, In der 86. Minute gelang Roentved schließlich noch der fünfte Treffer für die Bremer.
Bei Werder Bremen gefielen nur wenige Spieler. Den besten Eindruck hinterließ noch Kamp, der das größte Laufpensum absolvierte. Auch Görts überzeugte, jedoch wurde er schon in der 24. Minute ausgewechselt. Höttges schaltete sich oft in die Offensive ein, hatte mit seinen Pässen aber nicht immer Glück. Die beiden Sturmspitzen Aslund und Roentved standen im Blickpunkt des Geschehens, aber sie ließen zu viele Möglichkeiten ungenutzt.
Bei der SV Eintracht gab es keinen Ausfall. Die Abwehr wackelte oft, aber die zog sich gut aus der Affäre. Im Angriff hat man mit Reinecke, Hoffmeister und Ehrenberg drei gute Spitzen beisammen, so daß man dem Saisonstart am kommenden Sonnabend in Vorsfelde optimistisch entgegensehen kann.
Die Aufstellungen: Werder Bremen: Burdenski (63. Voß), Rütten, Kamp, Höttges, Assauer, Röber (79. Sunday), Schlief (46. Müllner), Hiller (46. Bracht), Aslund, Roentved, Görts (24. Weiß). SV Eintracht: Ostermann, Müller, Hoffmann, Soltau, Schmidt, Dietrich (32. Schlawatzky, 60. Schlüter), Fehlhaber, Göhlke,
Hoffmeister, Reinecke, Ehrenberg.

Lüneburger Landeszeitung v. 14.08.1975:

offen gesagt

Werder war das Geld nicht wert

jür Lüneburg. Bremens Stars kamen in grünen Hemden, der Farbe der Hoffnung also. Der Hoffnung auf den Klassenerhalt vermutlich. Den Zuschauern schien es nach dem Spiel, daß es wohl auch bei der Hoffnung bleiben wird. Die dargebotene Leistung des Bundesligisten war unzureichend für einen Verein dieser Güteklasse.
Diese Aburteilung ist allerdings nur dann legitim, wenn, ja, wenn die Bremer die Partie überhaupt ernst genommen haben und es nicht als ein gut bezahltes Training verstanden. Bei dem finanziellen Aufwand der SV Eintracht hätten die Bremer jedoch einiges mehr bieten müssen. So eine Vorahnung hielt bestimmt viele Lüneburger Fußballanhänger vom Besuch des Spieles ab, sehr zum Leidwesen des Veranstalters, der bei 1500 Zuschauern „zubuttern“ mußte. Das läßt die ganze Sache ins Zwielicht geraten, und die Frage drängt sich auf, ob ein Verbandsligist nicht besser beraten wäre, auf Gastspiele von Bundesligisten zu verzichten. Die SV Eintracht könnte ihr Geld an anderer Stelle besser investieren.
Fünf magere Tore waren die Bremer Ausbeute nach fast 90minütigem Powerplay. Die Lüneburger Zuschauer werden sich geärgert haben, daß sie am Dienstagabend nicht beim SV Hattersheim (Hessen) waren: Dort spielte Eintracht Frankfurt groß auf und gewann 30:0!

Lüneburger Landeszeitung v. 12.08.1975:

Werder Bremen heute um 18.30 Uhr bei der SV Eintracht

„Wollen uns achtbar aus der Affäre ziehen“

Bundesligist kommt in stärkster Aufstellung – Lüneburger ohne Torwart Krause

lz Lüneburg. „Wir wollen uns so achtbar wie möglich aus der Affäre ziehen“, das ist die Devise, die Eintracht-Trainer G. Mnich heute abend um 18.30’ Uhr seinen Spielern im Spiel gegen Bundesligist Werder Bremen mit auf den Weg geben wird. Auf die Niederlage hat man sich bei den Hasenburgern bereits eingestellt, doch sie soll knapp ausfallen. Vor dem großen Namen des Gastes will man keinen Respekt zeigen und das Spiel möglichst offen gestalten.
Bis auf Torwart Krause, der wegen einer Schienbeinverletzung immer noch pausieren muß, haben die Lüneburger heute ihre beste Formation zur Verfügung. Eine besondere Taktik hat Trainer Mnich nicht ausgegeben: „Unsere Chance liegt im Kontern und hier bleibt es abzuwarten, wie sich unsere Stürmer gegen die routinierten Abwehrcracks Höttges und Assauer in Szene setzen können.“ Schwerstarbeit prophezeit der SVE-Coach der SVE-Hintermannschaft, die vor allem auf Görts und Schlief achten muß. Ersatztorwart Ostermann, der heute sicherlich seinen arbeitsreichsten Tag erleben wird, fürchtet besonders die knallharten Schüsse von Werders Barcelona-Import Aslund. Der Mittelstürmer aus Schweden erzielte am vergangenen Sonnabend in Bochum das 2:0 für die Bremer.
Das Vorspiel bestreiten heute um 17.30 Uhr die E-Jugendmannschaften der SVE und des VfL/VfB. Bürgermeister Trebchen wird vor Beginn des Hauptspiels beide Mannschaften begrüßen. In der Halbzeitpause sorgt der Schützenverein Oedeme für die musikalische Umrahmung.
Werder Bremen dürfte heute mit der gleichen Aufstellung wie in Bochum beginnen: Burdenski — Kontny, Höttges, Assauer, Kamp — Hiller, Roehtved, Röber, Schlief, Aslund, Görts. Während des Spiels sind zahlreiche Auswechslungen zu erwarten, da Trainer Herbert Burdenski noch andere Spielern aus dem 21köpfigen Aufgebot testen will.
Die SV Eintracht wird in folgender Aufstellung antreten: Ostermann — Hoffmann, Soltau, Schmidt, Müller — Göhlke, Fehlhaber, Dietrich — Hoffmeister, Reinecke, Ehrenberg. Auswechselspieler sind D. Krause und Reinecke.