10.08.1969: SVE – Hannover 96

SV Eintracht Lüneburg – Hannover 96 0:10 (0:3)

So., 10. August 1969, Lüneburg, Eintracht-Stadion Hasenburg, Zuschauer: 2.000
SVE: Leppich (Krause) — Maszutt, Micknewitz, Frahm, Schmidt, Rühaak, Benning, Frey, Korth, Bockemühl, Beutler, Westedt, Karaaduman.
96: Podlasly (Helmschroth) — Hellingrath, Stiller (Kettler), Breuer, Ritter — Detsch, Bandura (Siemensmeyer) — Zobel, Loof, Heynckes, Brune (Reschke).
Schiedsrichter: N. N. / N. N. – N. N.
Tore: 0:1 (4.) Detsch; 0:2 (10.) Breuer; 0:3 (44.) Bandura; 0:4 (50.) Loof; 0:5 (55.) Loof; 0:6 (68.) Breuer; 0:7 (69.) Loof; 0:8 (77.) Loof; 0:9 (80.) Heynckes; 0:10 (86.) Siemensmeyer.

Lüneburger Landeszeitung v. 11.08.1969:

Zuschauer waren enttäuscht

„Tschik“: Ein Spaziergang!

SV Eintracht 10:0 geschlagen

„96″ ohne Skoblar und Cebinac

Von WOLFGANG BIEREICHEL
Über 2000 Zuschauer auf dem Sportplatz Hasenburg waren enttäuscht. Manche fühlten sich sogar hintergangen! Der Grund: Das war nicht die Bundesligamannschaft von Hannover 96, um deretwillen sie den heißen Sonnabendnachmittag geopfert hatten. Zwar war die Eintracht nach dem 3:0-Halbzeitstand nur so zerrupft und schließlich mit 10:0 Toren abserviert, doch was waren das für Tore? Und wo blieben die großangekündigten Stars Skoblar und Cebinac? Beide saßen sichtlich gelangweilt auf der Reservebank und ließen einmal für wenige Minuten ein kühles Eis über die Zunge gleiten. Mehr war an diesem Nachmittag von den beiden Jugoslawen nicht zu sehen.
Rudi Franz, Liga-Obmann von „96″, begründete den Nichteinsatz der beiden Spieler mit den Worten. „Skoblar leidet noch immer an Unterleibschmerzen. Wir haben zwar alle geglaubt, daß er nach seinem Jugoslawienaufenthalt wieder gesund zurückkehren würde, doch schon nach dem ersten Training beklagte er sich über die gleichen Schmerzen. Skoblar wird auch frühestens im dritten Punktspiel gegen Werder Bremen eingesetzt werden können.“
Cebinac hatte sich am Mittwoch im Spiel gegen den SV Boblitz (6:0) eine Knöchelprellung zugezogen. „Wir hofften zwar, ihn bis zum Spiel gegen Eintracht Lüneburg wieder fit zu bekommen, doch als am Sonnnabendmorgen immer noch keine Besserung eingetreten war, entschieden wir uns, ihn nicht einzusetzen.“
Während des Spiels machte sich das Fehlen der Jugoslawen auch deutlich bemerkbar. Schon wenige Minuten nach dem Anstoß durch Oberbürgermeister Alfred Trebchen hatte Bockemühl die große Chance, das Führungstor zu erzielen. Doch der Respekt schien in den Anfangsminuten noch zu groß, sonst hätte das Leder im Netz gezappelt. Im Gegenzug machte es Detsch dann besser, obwohl sein Treffer alles andere als ein Prachtschuß war. Lediglich Tor Nr. 2 in der zehnten Minute durch den offensiven Breuer blieb das schönste des Nachmittags, als der mit Abstand beste Spieler auf dem Platz durch einen unhaltbaren Kopfball Torhüter Leppich keine Chancen ließ.
Doch nach diesem Treffer begann die große Zeit der Eintracht. Nicht daß die Mannschaft über eine halbe Stunde lang ihr Gehäuse sauber hielt, sondern die Art, wie der Ball gespielt wurde, ließ viele Eintracht-Fans ein zufriedenes Gesicht aufsetzen und die Hände zum Beifall erheben. Manchmal lief der Ball über sechs oder sieben Stationen, ohne daß ein hannoverscher Berufskicker hätte dazwischenspringen können.
Wesentlichen Anteil an dem sehr gefälligen Spiel der Platzherren hatten die „Neuen“ der SV Eintracht. Vor allem die Blondschöpfe Bernd Schmidt und Dieter Rühaak boten eine recht gute Partie und werden bei diesen Leistungen ihren Stammplatz in der ersten Mannschaft erkämpft haben.
Als nach dem Wechsel (überraschend) Nationalspieler Siemensmeyer für Bandura aufs Spielfeld kam, war es um die Eintracht geschehen. Siemensmeier sorgte dafür, daß das Sturmspiel der Hannoveraner aggressiver wurde. Mit schnellen Kurzpässen, die allerdings häufig unterbunden werden konnten, wurde die recht unbewegliche Eintracht-Abwehr ein um das andere Mal aus den Angeln gehoben. Die Tore fielen wie reife Früchte und wäre nicht der für Leppich ins Spiel gekommene Torwart Krause gewesen, dann hätte es weit über ein dutzendmal im Eintracht-Tor eingeschlagen.
Trainer Mnich schien nach dem Spiel der guten Wochenendstimmung beraubt. Kopfschüttelnd machte er seinen Spielern den Vorwurf, daß sie wie festgewurzelt in der
Abwehr gestanden hätten. „Keiner hat ein bißchen mitgedacht. Alle sind nur kopflos den pausenlos anrennenden Hannoveranern entgegengetreten. Das Ergebnis spielt zwar keine Rolle, aber diese hohe Niederlage hätte vermieden werden können!“
Auch die Professionals von der Leine hinterließen keinen sehr guten Eindruck. Die Tore, die geschossen wurden, entsprangen krassen Abwehrfehlern, von denen besonders der vierfache Schütze Loof profitierte. Bis auf Breuer und Siemensmeyer zeigte keiner die Reife eines Bundesligaspielers. Das ändert auch nichts an Tschik Cajkovskis Kommentar nach dem Spiel, als er meinte: „Das war nur kleiner Spaziergang.“
Hannover 96: Podlasly (Helmschroth) — Hellingrath, Stiller (Kettler), Breuer, Ritter — Detsch, Bandura (Siemensmeyer) — Zobel, Loof, Heynckes, Brune (Reschke).
Eintracht: Leppich (Krause) — Maszutt, Micknewitz, Frahm, Schmidt, Rühaak, Benning, Frey, Korth, Bockemuhl, Beutler, Westedt, Karaaduman.
Tore: 0:1 (4.) Detsch; 0:2 (10.) Breuer; 0:3 (44.) Bandura; 0:4 (50.) Loof; 0:5 (55.) Loof; 0:6 (68.) Breuer; 0:7 (69.) Loof; 0:8 (77.) Loof; 0:9 (80.) Heynckes; 0:10 (86.) Siemensmeyer.

Hamburger Abendblatt v. 11.08.1969:

Lüneburger Landeszeitung v. 08.08.1969:

Sonnabend gegen Hannover 96:

Dieter Rühaak soll Skoblar beschatten

Beide Trainer haben noch Sorgen

Das herausragende Ereignis am Wochenende ist für Lüneburgs Fußballfans ohne Zweifel das Freundschaftsspiel zwischen der SV Eintracht und Hannover 96 am Sonnabend (17 Uhr) auf dem Sportplatz Hasenburg. Doch während die Zuschauer dieser Partie mit einiger Spannung entgegensehen kann, tragen sich die Trainer beider Mannschaften vor dem Start in die nächste Fußballsaison noch mit einigen Sorgen. Eintracht-Trainer Mnich hat noch immer nicht die Mannschaft gefunden, die das erste Spiel gegen Wolfenbüttel bestreiten soll und „Tschik“ Cajkovski wähnt sich bei Hannover 96 auf dem Pulverfaß, weil er fürchtet, in der nächsten Saison wieder nicht die Erwartungen seines Vorstandes zu erfüllen.
Der 10 000-Mark-Fußball-Lehrer glaubt, den Zeitzünder bereits ticken zu hören. Deshalb fleht Cajkovski: „Habt mit mir und meiner Mannschaft Geduld. Auch bei Bayern benötigte ich zwei Jahre, bis ich mit den jungen Talenten Maier, Beckenbauer, Roth und Müller eine schlagkräftige Mannschaft geformt hatte.“ In Hannover hat jetzt das zweite Jahr für den rundlichen Jugoslawen begonnen, dessen lustige, stets vor Optimismus strahlende Augen in der Niedersachsenmetropole längst finster und traurig geworden sind.
So finster wie bei „dickes Tschik“ sieht es für Trainer Mnich allerdings nicht aus. Von ihm erwartet man für die nächste Saison, daß seine Mannschaft die Klasse erhält, alles andere würde überraschen. Mnich glaubt, daß sich seine Mannschaft gegen 96 besser aus der Affäre ziehen wird, als gegen den HSV. „Damals hatte die Mannschaft noch viel zuviel Respekt, weil sie kein Selbstvertrauen hatte. Am Sonnabend stehen aber neue Kräfte in meiner Elf…“
Zwei dieser neuen Kräfte werden in der Nacht zum Sonnabend sicherlich schlecht träumen: Rühaak und Korth. Beide sollen die Hannoveraner Jugoslawen Skoblar und Cebinac beschatten!
Eintracht wird voraussichtlich in folgender Aufstellung spielen: Leppich (Krause); Maszutt, Korth, Rühaak, Frahm, Micknewitz, Frey, Schmidt, Beuthler, Bockemühl und Michels.